-     DAHME JACHT CLUB  e. V.  -


Chronik von 1897 bis 1997

                                                 

- gegründet am 25. September 1897 -

 

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens unseres Vereins haben die Sportsfreunde Dr. Jörg Lietzmann und Dieter Leukert eine Chronik zusammen getragen, die viele interessante Details und Entwicklungen des Berliner Segelsports in historischen Zusammenhängen erkennen lässt.

Diese Arbeit hat mich so begeistert, dass ich sie hier aus der damaligen Denkschrift vom Januar 1997 übertragen habe und allen unseren Mitgliedern für Mußestunden empfehle. Da die Chronik auch auf viele Entwicklungen des Segelsports in Berlin und auf die Begeisterung aber auch Mühen unserer Altvorderen eingeht, darf sie sicherlich ebenso als historische Abhandlung des modernen Segelsports an sich betrachtet werden.

Viele ausgewählte Dokumente und historische Fotos beleben die Literatur.

Die Autoren haben ein kurzes Nachwort angefügt, das ich dem Leser aber gern als Vorwort empfehle und deshalb bereits hier unten verlinkt habe.

Viel Freude bei der Literatur wünscht

Detlef Francke, Webmaster, im April 2008


Von Segeln bewegte Seeschiffe sind erstmals vor 3 000 Jahren in der Literatur erwähnt worden. Sportliches Segeln in Europa begann vor etwa 350 Jahren in den Niederlanden; von dort kommt die älteste europäische Bezeichnung für Sportsegelboote "Yacht". Bereits 1661 soll die erste Segelregatta in England ausgetragen worden sein.

Wir beschränken uns in unserer Chronik auf die Geschichte des Segelsports in den vergangenen hundert Jahren auf den Gewässern Berlins und seiner Umgebung, wie sie sich für den kleinen Kreis der im DJC vereinten Segelsportler darstellt.

 

1897 - 1919

Die Anfänge des Segelsports liegen in den siebziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts auf dem Wannsee und auf dem Rummelsburger See, dem damaligen Wassersport- und Erholungszentrum des Ostens. Zahlreiche Schrebergärtner hatten dort ihre Ruderjollen und Angelkähne.

In einer ersten Chronik des DJC heißt es dazu:

"Auf einigen dieser Ruderjollen wiegte ein ziemlich kräftiger Mast hin und her, der sogar zuweilen durch ein Want versteift war. An schönen Sommerabenden und Sonntagen kamen die Kolonisten von 'Sperlingslust', 'Rosenkolonie' und 'Schwanenberg' aus ihren schon früher bestehenden 'Wochenendhäuschen' heraus, der Klüver am Bug der Jolle wurde festgeschraubt, die Segelpinne aufgesetzt, getakelt und gesegelt - gesegelt, so lange es Wind und Wetter und - die damals schon durch einen kleinen Nebenberuf getrübte freie Zeit - es zuließen. So wurden segelnder Weise der Rummelsburger See, die Liebes-, die Kratzbruchinsel und die Abtei umgondelt oder bis Eierhäuschen oder gar bis zur ersten Nieder-Schöneweider Brücke gefahren. Aber selbst das Segeln an den damals noch schönen Ufern der Spree und des Sees entlang wurde langweilig; das machten ja schon die Jungen in Vaters Abwesenheit und - mit oder ohne - Mutters Erlaubnis. Waren gar die Segel verschlossen, dann ging es auch mit einer Fahne oder mit Mutters Kaffeedecke. Die Älteren mussten schon mehr Abwechslung haben. Auf dem Wasser fanden sich Gleichgesinnte zusammen, man verabredete, sich bei Restaurant Neu-Seeland zu treffen, als Ziel die Liebesinsel zu ersegeln und dem letzten dort eintreffenden Bootsbesitzer eine 'Lage' aufzuhalsen. Wer verlor oder beinahe daran war zu bezahlen, versuchte durch alle möglichen und unmöglichen Änderungen seines Bootes und Segels einen anderen am nächsten Sonntag zum 'Dummen' zu machen. So manche Ehehälfte konnte ihren Mann vom vielen Matchen in gehobener Stimmung beim Mittagessen begrüßen. Beim Stelldichein auf der Liebesinsel war schon oft bei einem Glase Bier der Wunsch laut geworden, dieses lose Band der um die Wette segelnden Stralauer fester zu knüpfen. Da wurde am Ende des Sommers verabredet, sich am 25. September 1897 im Restaurant Schonert, Neu-Seeland, zur Gründung eines Seglervereins einzufinden. An dem genannten Tage wurde das Kind, der 'Berliner Jollen-Club', aus der Stralauer Wasserwiege gehoben".

Initiator war Herr Ehrentraut zusammen mit zehn Gründungsmitgliedern. Sie nahmen auf seinen Vorschlag hin Clubnamen und -Stander an, ebenso die erste Vereinssatzung. Darin heißt es: "Der Berliner Jollen-Club (BJC) bezweckt die Pflege des Segelsports und der Geselligkeit". Und weiter, bezogen auf den Namen: "Boote über 8 qm in der Wasserlinie werden im BJC nicht registriert". Zum ersten Vorsitzenden wurde Kamerad Stiller gewählt.

Das Eintrittsgeld betrug zwei Mark, der Monatsbeitrag 50 Pfennige. Dies gibt einen ersten Hinweis auf die soziale Struktur des Berliner Jollen-Clubs. Seine Mitglieder waren kleine Handwerker und Angestellte aus dem Berliner Südosten. Über Jahrzehnte blieb der BJC eine kleine, finanziell nicht gerade gutgestellte Gemeinschaft. Der BJC war seinerzeit der elfte Segelverein im weiteren Berliner Revier, im eigentlichen Stadtrevier erst der fünfte. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte beim Amtsgericht Lichtenberg unter dem Aktenzeichen VR 19. Damit vollzogen die Vereinspioniere endgültig den Schritt vom Schrebergärtner zum Segelsportler.

Getreu     seiner     Satzung     veranstaltete     der BJC bereits im ersten Jahr seines Bestehens zunächst ein Wintervergnügen und - bei einem Startgeld von 1,50 Mark sowie einem Zuschuss von 20 Mark aus der Vereinskasse - am 19. Mai 1898 seine erste Regatta auf dem Rummelsburger See. Gestartet wurde in zwei Gruppen; es gewannen die Yachten "Alma" und "Margarethe". Die Zeitung "Der Wassersport" schrieb damals in ihrer Ausgabe 20/98 anerkennend, "...dass die Jollen des BJC vortrefflich geführt wurden".

Regattasegeln galt bereits in diesen Anfangsjahren des BJC als Hauptaktivität. Vor jeder Wettfahrt vergebene Handicaps führten jedoch schon damals zu gewissen Unstimmigkeiten. Offenkundig war der Ehrgeiz der Regattasegler in diesen frühen Jahren so groß, dass es vor jedem Start in langen sowie heftigen Steuermannsbesprechungen Streit um Vorgaben und Handicaps gab. Grundlage für diese Wettfahrten war die so genannte Ahoi-(Ausgleichs-)-Tabelle. Andererseits konnten Boote auch vor Anker liegend starten, das heißt, nach dem Startsignal setzte man Segel, lichtete den Anker und nahm so schnell wie möglich Fahrt auf -erste Schulung zur Verbesserung der Seemannschaft. Bereits in dieser Zeit war die Rede von Abwerbung erfolgreicher Segler und unverhältnismäßig hohen Startgeldern.

Regattasegeln nahm man schon seinerzeit sehr ernst.

Anhänger gewann in den BJC-Anfängen auch das Fahrtensegeln. Die erste „urkundliche Erwähnung" des BJC außerhalb Berlins fand sich in Teupitz. Am 22. August 1898, zehn Monate nach der Clubgründung, schrieben sich die Ehepaare Apel und Dittmer als BJC-Segler in das Gästebuch der Gaststätte "Zum goldenen Anker" ein. Ein Jahr später gingen dort die Kameraden Bartsch und Stengel mit ihrer Yacht "Aegir" vor Anker. Ins Gästebuch trugen sie sich samt Foto ein - als Angler: Der Beginn des "Ausgleichssports" im BJC.

Zehn Jahre nach der Gründung hatte der BJC seine erste ernsthafte Krise zu überstehen. Sie resultierte aus dem Versuch, durch großzügige Mitgliederwerbung bei gleichzeitiger Beitragserhöhung die Vereinskasse auffüllen zu wollen. So veranstaltete man aus Anlass des zehnten Stiftungsfestes eine Regatta, bei der jeder Teilnehmer einen Preis erhielt. Potentielle Mitglieder bekamen Einladungen zu einem großzügigen Festessen im "Alten Fritz" am Stralauer Tor und zum Eisbeinessen im "Deutschen Hof" am Görlitzer Bahnhof. Doch danach war das Loch in der Kasse noch größer. Wegen der zum 10. Jubiläum im Jahre 1907 dafür erforderlichen Umlage von 20 Mark verließen 13 Mitglieder den Verein. Nur acht zahlten den Betrag und hielten dem Club die Treue.

1900 wählten die Mitglieder den Kameraden Emil Goldbeck zum 1. Vorsitzenden. In den elf Jahren seiner umsichtigen Amtsführung nahm der Verein einen ersten großen Aufschwung. 1909 folgte eine neue Satzung, die Boote bis zu einer Fläche "von 9 qm in der Wasserlinie" zuließ. Mit ihr ließ sich der Club am 4. Februar 1910 beim Amtsgericht Charlottenburg in das Vereinsregister eintragen, veröffentlicht auf Blatt 45 der Registerakten unter VR 1071. In diesem Jahr hatte der Verein bereits 30 Mitglieder. Regattasegeln bestimmte die weitere BJC-Geschichte. Weil der Rummelsburger See dafür keine fairen Bedingungen mehr bot, trug der Verein schon seit dem zweiten Jahr seines Bestehens Regatten auf dem Langen See und dem Seddinsee aus. Diese Wettfahrten schrieb man seit 1903 auch offen aus. 1902 sollte dann erstmals auch eine Wettfahrt auf dem Müggelsee stattfinden. Es bedurfte immerhin acht ( ! ) Versammlungen der Regattasegler vor dem mutigen Entschluss, auf diesem großen See zu segeln. Von 1910 an startete der Verein seine Regatten nur noch auf dem Seddinsee beziehungsweise Langen See. Ein Motorboot beziehungsweise Dampfer nahm die Teilnehmer in Schlepp und brachte sie zusammen mit Begleitern und interessierten Zuschauern zur Regattabahn. An diesen Seen hatten viele „Jollenbrüder", wie sie sich nannten, bereits Liegeplätze für ihre Boote gemietet. Hinzu kamen alle Jahre Dampfer- oder Motorbootausflüge für Mitglieder und Angehörige nach Schmöckwitz, Zeuthen und Klein-Köris; sie verstärkten die Sehnsucht nach einer neuen Heimat des Vereins. Außerdem hofften die Fahrtensegler auf größere Nähe zu ihren Zielen an der Schmölde und in Teupitz. Letztlich wollte man außerdem der Stadtnähe und der Berufsschifffahrt auf dem Rummelsburger See entkommen.

 

Eine Mitglieder-Kommission sah sich nach Liegeplätzen mit passenden Unterkünften an der Dahme im Südosten Berlins um. Schließlich mietete der BJC 1910 im Restaurant "Richtershorn" in Karolinenhof am Langen See einen bescheidenen Kellerraum und Bootsstände. Es blieb nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum eigenen Clubgelände. Dieses Ziel erreichte man allerdings erst zehn Jahre später.

In dieser Zeit setzten erste Versuche ein, den BJC zum Beitritt in eine Dachorganisation der Segler zu bewegen, entweder in den Deutschen Segler Verband oder in die 1909 gegründete Wettsegelvereinigung der Berliner Jollensegler. Die Jollenbrüder verhielten sich jedoch abwartend. Um die Jahreswende 1911/1912 gab es Bestrebungen, zunächst nur die an der Oberspree beheimateten Vereine zusammenzuschließen. Sie verfügten größtenteils nur über Boote für Ausgleichswett- und Wanderfahrten. So gründete man am 30. März 1912 unter Federführung des SC Oberspree und dessen Vorsitzenden Robert Höfer sowie intensiver Mitwirkung des BJC mit seinem Vorsitzenden Wilhelm Freyer den Deutschen Segler Bund (DSB), um, wie es in der Satzung hieß, "volkstümliches Segeln zu betreiben". Zu den zwölf Gründungsmitgliedern aus Berlin und Hamburg gehörte auch der BJC. Fortan beteiligten sich seine Mitglieder vornehmlich an Bundesregatten auf der Dahme, Tegeler See und Müggelsee. Clubmitglied Dr. Martin Riekkenburg war Anfang der zwanziger Jahre Vorsitzender des Deutschen Segler Bundes, anschließend für kurze Zeit auch Kamerad Carl Dreblow. Andere Kameraden wie Buchmann und Stephan wirkten als Vorsitzende von DSB-Kommissionen.

In diese Zeit fiel der Beginn einer langjährigen Freundschaft mit dem Verein Berliner Segler, ebenfalls Mitglied im DSB. Ausdruck dafür waren gemeinsame Wanderfahrten und Regatten, für die die Vereine wechselseitig Wanderpreise stifteten. Fortan feierte man gemeinsam Stiftungs- und andere Feste.

In Karolinenhof überlebte der BJC den Ersten Weltkrieg, der große Lücken in die Mitgliederschaft riss. Die feste Kameradschaft der Jollenbrüder ließ den Club jedoch auch in dieser schweren Zeit weiter bestehen. Zum Gedenken an die im Krieg gefallenen Mitglieder stiftete er 1919 einen alljährlich auszusegelnden Friedens-Wanderpreis, der 1922 innerhalb des BJC seinen endgültigen Gewinner fand.


Die Jahre 1920-1933


Bald stimmten wirtschaftliche Interessen des Wirtes von "Richtershorn" und sportliche Ambitionen des Vereins nicht mehr überein. Unter dem Vorsitzenden Karl Kersten erwog man daher ernsthaft den Erwerb eines eigenen Club-Grundstücks. Vor allem Kamerad Richard Kersten hatte sich unter vielen Mühen intensiv für das Vorhaben eingesetzt und fand Unterstützung beim Bundesvorsitzenden Höfer sowie beim damaligen Hegemeister Bartel. Schließlich unterzeichneten am 27. Dezember 1920 der Verein und die Regierung in Potsdam, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten, einen Pachtvertrag mit zunächst acht Jahren Laufzeit. Die neue Heimat des Clubs lag nun in Berlin-Schmöckwitz, Jagen 36, am Seddinsee mit herrlichem Seeblick bis Gosen. Noch im Winter 1920/1921 begannen unter dem Vorsitzenden Karl Kersten und seinem Nachfolger Carl Dreblow Bauarbeiten. Die Finanzierung, besser "Geldbeschaffung", lag in den Händen von Richard Kersten. Da kaum Geld zur Verfügung stand, hatte jedes Mitglied im für alle obligatorischen Arbeitsdienst entsprechend seinen Fähigkeiten Hand anzulegen. Material wie Holz, Steine und Schlacke kaufte man unter anderem aus alten Heeresbeständen nach dem Abriss von Pferdeställen und schaffte sie mit drei Zillen auf dem Wasserweg heran. Die Einnahmen aus Beiträgen und Spenden der Mitglieder, die auch bei Verwandten und Freunden sammelten, reichten nicht. Es mussten daher neue und zahlungskräftige Mitglieder geworben werden.

Um dafür die Attraktivität des Clubs zu erhöhen, beschlossen die Mitglieder am 1. Oktober 1920 eine Namensänderung. Es gelang, den Hauptgläubiger des Vereins und Bauunternehmer Carl Zachow als neues Mitglied zu gewinnen - und so die Außenstände als Einlagen zu verbuchen. Bereits zum Ansegeln 1921 standen die Wände des Clubhauses, einige Privathäuschen waren im Bau, Wasserleitungen verlegt, das Gelände an den erforderlichen Stellen gerodet und nicht zuletzt der von drei Kameraden angefertigte Flaggenmast aufgerichtet. Am Tag des Ansegelns 1921 erfolgte die feierliche Flaggenhissung parallel zur öffentlichen Umbenennung des Vereins in "Dahme Jacht Club" (DJC). Die Namensänderung im Vereinsregister erfolgte bereits am 14. Februar 1921.
Um weitere Einlagen in die Clubkasse zu bekommen und Anreize für finanziell besser gestellte Mitglieder zu schaffen, ordnete der Verein seine Vermögensverhältnisse neu. War bis dahin jedes Mitglied am Vereinsvermögen gleich hoch beteiligt, so gab man dieses Prinzip nun auf. An seine Stelle trat eine "wirtschaftliche Vereinigung" nach dem Aktienrecht. Anteilscheine kosteten 500 beziehungsweise 1 000 Mark. Für je 500 Mark erhielt der Anteilseigner eine Stimme in Eigentumsfragen des Vereins.

Dieses für einen Sportverein nicht tragbare undemokratische Prinzip der Teilung in sportliche und wirtschaftliche Angelegenheiten unter dem Motto "Geld regiert den Verein" führte zwangsläufig zu Unstimmigkeiten und Austritten - ein glatter Fehlschlag. Der Vorstand mußte zurücktreten; bereits während der nächsten Generalversammlung des Clubs beschlossen die Mitglieder das Ende der wirtschaftlichen Vereinigung. Dafür hatte jeder einen Pflichtanteil von 70 Mark zu übernehmen. Anschließend erhöhte sich die Mitgliederzahl wieder auf 60 Männer. Trotz dieser Turbulenzen ging der Ausbau auf dem Gelände weiter. Am 29. Juli 1922 weihten die Mitglieder zum 25. Vereinsjubiläum das neue Clubgelände zusammen mit Stegen und Slipvorrichtung sowie bezugsfertigem Clubhaus ein.


Ergänzungsbauten kamen zwischen 1924 und 1926 unter der Leitung des Kameraden Johannes Barth hinzu, so die Verglasung der Veranda, die Erweiterung der Kantine, die Montage von Stromanschlüssen im Clubheim sowie der Bau eines Regatta-Pavillons. Die Finanzierung erfolgte durch Pflichteinlagen. Die Kameraden Franke stifteten die Veranda und Kuke den Regatta-Pavillon. Viele kleinere Einzelspenden für die Inneneinrichtungen halfen weiter. Am 15. Oktober 1923 wurde die Clubkantine zugelassen und war sofort auch eine zusätzliche, ergiebige Geldquelle.


Nach Fertigstellung des neuen Clubhauses rückte sportliches Segeln wieder stärker in den Vordergrund, zumal der Regattasport im DSB großen Aufschwung genommen hatte. Auch der Bootsbestand im DJC nahm erheblich zu. Segelten noch 1919 nur zwölf Boote unter dem Clubstander, so waren 1921 bereits 24 Yachten im Register des Vereins eingetragen. Bis 1924 wuchs die Flotte auf 41. Dem neuen Trend des DSB und dem sportlichen Führungsstil des Kameraden Carl Dreblow folgend, nahm der DJC in dieser Zeit nur Klassenboote auf. Das Yachtregister des DJC zählte 1924 fünf 15 m2- sowie drei 20 m2-Rennjollen. Als Beispiel für das große Mitglieder-Engagement beim Bau ihrer Boote ein Zitat aus den Aufzeichnungen einer Ehefrau im DJC: "Es ist besonders hervorzuheben, dass der Kamerad Kersten es noch fertig gebracht hat, sein 'Glückskind III' bis zum ersten Regattatag nach Richtershorn zu bringen. Nach durcharbeiteten Nächten und langer Fahrt durch den Teltowkanal bei strömendem Regen traf Kamerad Kersten zehn Minuten vor der Steuermannsbesprechung in Richtershorn ein. Von dieser sportlichen Begeisterung für das Regattafahren des Kameraden Richard Kersten mit seinem 'Glückskind III' kann man lernen und sollte stets bestrebt sein, ihm in jeder Sache nachzueifern." Um das Regattasegeln zu forcieren, stifteten DJC beziehungsweise Mitglieder mehrere Wanderpreise. 1923 gewann der Kamerad Carl Dreblow auf seiner 20 m2-Rennjolle "Windspiel" den vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert gestifteten "Staatspreis".

1924 sicherten sich die Kameraden Karl Richter auf der 15 m2-Rennjolle "Sleipner" und Paul Kluth auf der 20 m2-Rennkielyacht "Bajazzo" die erstmals ausgesegelten Meisterschaftsflaggen als höchste Trophäen des DSB. Aus diesem Jahr sind auch erste Platzierungen von DJC-Mitgliedern im bundesoffenen Fahrtenwettbewerb bekannt. Kamerad Dr. Rieckenburg gelangte mit seinem 30 m2-Kreuzer "Cläre" auf Platz 15, Kamerad Luer auf der 15 m2-Jolle "Margot" auf den 16. Rang.


Für den DJC war 1926 ein besonders erfolgreiches Jahr. Stolz feierte der Dahme Jacht Club den Gewinn des Stadt- und des Stadt-Sonderpreises als einen Sieg von Kameradschaft und Gemeinschaftsgeist. Dabei handelte es sich um einen vom Berliner Oberbürgermeister Gustav Boeß gestifteten Mannschaftspreis, den man zur Herbstwoche 1926 auf dem Wannsee vor allem durch die hohe DJC-Teilnehmerzahl errungen hatte. Der Vorsitzende Johannes Barth schaffte es mit seiner Überzeugungskraft und durch sein Vorbild, die gesamte (!) DJC-Flotte per Schlepp an den Start zu bringen.


1931 gewann der Verein den Stadtpreis endgültig. Außerdem erkämpften 1926 die DJC-Segler Emil Vogt, Arthur Redmann und Richard Buchmann auf ihren Bundes-Rennjollen beziehungsweise Rennkielyachten drei Meisterschaftsflaggen.
Lange dominierten 20 m2-Rennkielyachten des DJC auf den Regattabahnen. Allein zwischen 1924 und 1928 holte der DJC alle Meisterschaftsflaggen dieser Klasse in den Verein. Auch in 10-, 15- und 20 m2-Rennjol-len segelten Mitglieder erfolgreich. Kamerad Emil Vogt gewann mit seiner 10 m2-Bundesrennjolle "Chico" und seiner 20 m2-Bundesrennjolle "Lola" seinerzeit die meisten Trophäen. Er holte fünf Meisterschaftsflaggen in den DJC. Der DSB nominierte ihn wegen dieser Erfolge für die Olympia-Qualifikationen 1932 in der 12-Fuß-Scharpiejolle. Leider verpasste er trotz eines guten dritten Platzes unter zehn Kandidaten die Olympiateilnahme. Ausgesprochen erfolgreich segelte auch Richard Buchmann für den DJC. Auf seiner 20 m2-Rennkielyacht "Onkelchen" gewann er drei Meisterschaftsflaggen. 1929 sicherte sich erstmals Kamerad Kürt Krupa auf seiner 20 m2-Bundes-rennjolle "Tibia" die Meisterschaftsflagge. Sie steht am Anfang seiner sehr erfolgreichen Karriere zunächst als aktiver Segler; später folgten ehrenamtlichen Tätigkeiten in
wichtigen Funktionen auf Vereins- und Verbandsebene.


Sportliche Erfolge im Visier, zogen Mitglieder schon früh talentierten Nachwuchs heran. So richtete der
Verein 1925 eine Jugendabteilung mit zunächst zwölf Jungmannen ein. Zwei Jahre später ersegelten sie in der Clubwertung der DSB-Jugendregatten den zweiten Platz. Der Nachwuchs trieb gleichzeitig erfolgreich Ausgleichssport im Schwimmen und in der Leichtathletik. Einen interessanten Rückblick auf die ersten drei Jahrzehnte DJC-Geschichte erlaubt übrigens die zum Stiftungsfest 1927 herausgegebene Jubiläumsschrift. Zum 35. Stiftungsfest 1932 blickte der DJC auf die stolze Bilanz von 14 Bundesmeisterschaftsflaggen zurück. Der Mitgliederbestand stieg auf 74 Männer und elf Jungmannen. Im Yachtregister standen 37 Segel- und vier Motorboote.


Die Jahre 1933 - 1945

Dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft und deren Sportpolitik folgten Veränderungen auch im
DJC. Versuche des Vorstandes, sich auf den Status eines unpolitischen Vereins zu berufen, misslangen schnell und gründlich. Schon im April 1933 kontrollierte die NSDAP die Vereinsversammlungen. Im Juni 1933 trat unter seinem Vorsitzenden Edmund Bülow der gesamte Vorstand nach heftigen Debatten in der Mitgliederversammlung zurück. Im September folgte eine neue Vereinsführung. Den vormaligen DJC-Vorsit-zenden Edmund Bülow schloss man im April 1936 sogar aus dem Club aus. Wenig später verließen etwa 30 Prozent der Mitglieder den DJC, darunter sehr verdienstvolle und bekannte Segler wie Wilhelm Rodenkirchen und Hans Bebensee. Die Mitgliederliste füllte sich erstaunlicherweise über Zeitungsanzeigen wieder auf. Die neue Vereinsführung arbeitete im Sinne der nationalsozialistischen Führung, im Mittelpunkt standen Sportveranstaltungen mit internationaler Ausstrahlung und Wehrertüchtigung. Auch aus dieser Zeit sind einige Fakten erwähnenswert.
Zunächst geriet der Verein in finanzielle Schwierigkeiten. 1933 begann ein unangenehmer und langwieriger Streit mit dem Inhaber der Schmöckwitzer Fischereirechte um die Zahlung von Gebühren. Vor Gericht verlor der DJC 1934 und erklärte sich wegen der Forderungen für zahlungsunfähig. Diese Insolvenz führte zur Versiegelung der Clubräume. Den DJC-Bestand sicherten schließlich eine Vereinbarung über die monatliche Abzahlung der Schulden, Beitragspfändungen bei zahlungsunfähigen Clubmitgliedern sowie Zuwendungen des Deutschen Segler Verbandes über 750 Mark. Notgedrungen verschob sich der geplante Neubau einer Steganlage. Ein Jahr später, 1935, folgten neue Verhandlungen mit der Forstverwaltung über die Pachthöhe. Denn um bessere Konditionen zu erzielen, hatte der Club den bestehenden Pachtvertrag gekündigt - ein Fehler, wie sich bald herausstellte: Als Ergebnis dieser Verhandlungen hatte der Verein deutlich mehr zu zahlen als vorher.
Das 40. Stiftungsfest feierte am 2.Oktober 1937 der Club gemeinsam mit den Berliner Reviervorsitzenden, Vertretern des DSV, dem alle Vereine des Bundes angeschlossen worden waren, und Gästen befreundeter
Vereine. Typisch für diese Zeit, dass die eigentlich für den 25. September 1937 geplante Festveranstaltung wegen einer Verdunkelungsübung auf Anfang Oktober verlegt werden musste." Bei der Festveranstaltung handelte es sich um einen "Herren-Kommers" - Frauen waren ausdrücklich ausgeschlossen. In diese Zeit fielen erste ernsthafte Versuche von Damen, DJC-Mitglieder zu werden. Noch 1934 lehnte der Verein den Aufnahmeantrag eines Fräulein David eindeutig ab. Aber bereits 1936 herrschte Einvernehmen, Damen den Status von Gastmitgliedern einzuräumen. Dafür fanden sich jedoch zunächst nicht genügend Interessentinnen.
Enge Beziehungen unterhielt der DJC zum SV Teupitz neben dem Restaurant "Zum goldenen Anker". Teupitz galt als traditionelles und beliebtes Ziel der Fahrtensegler, doch auch Regattasegler starteten regelmäßig bei den Teupitzer Wettfahrten. Aus heute nicht mehr zu klärenden Gründen traten die Mitglieder des SV Teupitz Mitte Juli 1937 zum DJC über. Seither unterhielt der Verein offiziell bis 1945 einen Stützpunkt Teupitz unter Leitung eines gewählten Außenstellenleiters.


1932 empfahl der DJC auf Anregung von Hans Bebensee auf dem Bundestag des Deutschen Segler Bundes den Entwurf einer Ein-Mann-Jolle für Binnengewässer, gedacht für die Olympischen Spiele 1936. Nach Festlegung der Hauptmaße für die künftige Konstruktion, abgestimmt zwischen DSB und DSV, beschloss der DJC im Mai 1933 als erster Verein den Bau einer O-Jolle nach Plänen von Keßler auf der Bebensee-Werft. Man bezahlte den Bau mit Spenden, über Ratenzahlungen der gesamten Mitgliedschaft und aus Kantinen-Überschüssen - nach einer Bierpreiserhöhung. Die Eintragung ins Yachtregister des DSB erfolgte noch 1933 unter "O 1". An Vergleichsregatten mit Prototypen anderer Konstrukteure zur endgültigen Bestimmung der Olympiajolle beteiligte sich die O 1 "Skagerrak" unter Steuermann Max Fiebing.

Der DJC wirkte engagiert an den Olympia-Vorbereitungen mit. Heinz Schmidt, seit Jahren als DJC-Mitglied Regatta-Obmann und Schiedsrichter, organisierte die Olympia-Ausscheidungsregatten in Berlin, war später Mannschaftsleiter der deutschen Segel-Olympioniken in Kiel und betreute dort vor allem die O-Jollensegler aller beteiligten Nationen. DJC-Segler Hans Schulz gehörte ebenfalls zur deutschen Mannschaft, kam aber als Aktiver nicht zum Einsatz. In Vorbereitung der Olympischen Spiele 1940 charterte der DJC im September 1938 vom DSV ein Starboot. Als Steuermann und Betreuer für das Boot mit dem Kennzeichen Star 1491 ("Kiel") berief der Verein seinen damals besten Regattasegler Kurt Krupa. Als Olympia-Kader segelte er das Schiff erfolgreich auf nationalen und internationalen Kursen.
Ebenso holten andere Segelkameraden Trophäen in den Club. Allein 1939 erkämpften sie insgesamt 81 Klassen- sowie zahlreiche Punkt- und Sonderpreise. Erstaunlicherweise hielten Sportveranstaltungen bis in die Kriegsjahre 1943/1944 an. So gewann noch 1943 der Kamerad Walter Lachs auf "O 632" die "Deutsche Kriegsmeisterschaft" für den DJC.
Unterdessen hatte die Forstverwaltung als Eigentümerin des Clubgeländes neuerlich den Pachtbetrag erhöht. Daraufhin dachte man im DJC zu Kriegsbeginn ernsthaft an den Kauf des Grundstücks. Diese Pläne zerschlugen sich ebenso wie die Absicht zur Gebäude- und Stegerweiterung.


Die Jahre 1945 - 1989

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems und dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann - nach vielen persönlichen und materiellen Opfern - eine neue, völlig andersgeartete Entwicklung. Segelsport und Kameradschaft sollten zurück ins Zentrum des Gemeinschaftslebens. Noch während der letzten Kriegstage, hatten Frauen aus dem Verein Clubanlagen geschützt und gesichert. Auf dem Gelände war während der Endphase des Krieges eine Fliegerbombe eingeschlagen und in die unmittelbare Nachbarschaft stürzte ein abgeschossenes Flugzeug. Es gab zwar Schäden am Clubgebäude, aber glücklicherweise kam der Bootsbestand glimpflich davon. Nach Kriegsende waren Boote mit Ballast in Stegnähe versenkt oder auf andere Weise vor unbefugtem Zugriff geschützt worden. Bereits im Sommer 1945 trafen sich Mitglieder zum Aufräumen, um Bestände zu bewahren und notdürftige Reparaturen vorzunehmen. Schon im Sommer 1946 schwammen einige von ihnen wieder segelklar im Hafen. Die Clubangehörigen jener Zeit haben den ausdrücklichen Dank der nachfolgenden Mitglieder-Generationen verdient. Der DJC mußte ebenso wie alle anderen Vereine seine Tätigkeit offiziell einstellen, der Name durfte nicht mehr geführt werden. Das Eigentum der Sportvereine war mit Befehl Nr. 124 der Sowjetischen Militär-Administration (SMAD) Ende Oktober 1945 den Bezirksämtern zur treuhänderischen Verwaltung übergeben worden. Sportfreund Herbert Vaupel bewarb sich erfolgreich als Treuhänder. In dieser Funktion hielt er unter den gegebenen Möglichkeiten die verbliebenen 66 Segelkameraden unter wechselnden Vereinsnamen ("Wassersportgruppe Segeln" und "Dahme Sport-Club") zusammen. 1949 hatte der Club 98 Mitglieder, darunter neun Jugendliche und eine Schwimmsparte mit 14 Frauen. Damit erwarben die Frauen erstmals ihr Stimmrecht in diesem Verein.


Das unmittelbar nach Kriegsende erlassene Segelverbot hob die SMAD bereits im Sommer 1946 wieder auf. Im sowjetischen Sektor Berlins durften Segelvereine unter Führung der Hauptspartenleitung Segeln als kommunal organisierte Spartengruppen den Sportbetrieb wieder aufnehmen. Am 22. Juni 1946 veranstaltete die TSG 1898 die erste Nachkriegs-Regatta. Und bereits zu Saisonbeginn 1947 wird von regem Segelbetrieb auf dem Langen und Seddinsee berichtet, einschließlich der Veranstaltung von Wettfahrten. Dieser schnelle Wiederbeginn des sportlichen Segelns im Berliner Osten ist ein Verdienst der dort ansässigen Vereine TSG 1898, dem VSS, dem WSV 1921 und dem DJC mit seinem Wettfahrt-Obmann Artur Ladewig. Der Dahme Jacht Club beteiligte sich an den ersten Regatten vor allem mit O-und H-Jollen sowie 15 m2-Jollenkreuzern. Zum 1. Oktober 1948 erfolgte die Gründung des vom ostdeutschen Gewerkschaftsbund FDGB und der Jugendorganisation FDJ getragenen Deutschen Sportausschusses. Er organisierte den Segelsport wieder nach politischen Gesichtspunkten. Im Verlauf der Umstellung des Sports auf antifaschistischdemokratische Ziele gründete man 1951 die Sportvereinigung Chemie. Das DJC-Vermögen ging vom treuhänderischen Bezirk Köpenick auf die SV Chemie über. In ihrer Segelsparte waren fünf Betriebssportgemeinschaften integriert, sämtlich auf dem DJC-Gelände angesiedelt und nach ihren Trägerbetrieben benannt. An der Spitze der SV Chemie/Segeln stand Sportfreund Burkhard Bargfried, vehementer Befürworter der Strategie einer neuen Sportbewegung. Ihm war zu verdanken, daß der SV Chemie auf Beschluss des Magistrats von Groß-Berlin 14 volkseigene Boote erhielt darunter H- und O-Jollen, eine Küstenjolle sowie fünf neue (wenn auch beim Bau etwas zu kurz geratene) Piraten. Diese Boote sollten vorwiegend Sportfreunde segeln, die Trägerbetrieben der SV Chemie angehörten. Damit sollte jungen Arbeitern aus diesen Firmen Gelegenheit zum Segeln gegeben werden. Die unsinnige Trennung in Betriebsangehörige und Betriebsfremde gab man zum Glück bald wieder auf. Weitere Stationen in der DJC-Geschichte : Grundstück und Bauwerke gingen per Magistratsbeschluss zum Februar 1953 zur Eigenbewirtschaftung an das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport (Bootshausverwaltung) über. Zum Januar 1956 wechselten Bootshaus und alle übrigen Anlagen aufgrund eines weiteren Magistratsbeschlusses in die Rechtsträgerschaft der VEB Berliner Reifenwerk und Chemische Fabrik Grünau. Das Grundstück kehrte als Staatseigentum in die Regie der Groß-Berliner Stadtforstverwaltung zurück.

Die Gemeinschaft nannte sich nun Betriebssportgemeinschaft Chemie Grünau-Schmöckwitz, Sektion Segeln, ab 1961 BSG Chemie Schmöckwitz. Dazu heißt es im Protokoll der damaligen Mitgliederversammlung, "in unsere Gemeinschaft ist damit systematisch der Gedanke des Betriebs- und Massensports eingezogen".
Völlig unbemerkt von den Mitgliedern löschte zum 5. November 1954 das Amtsgericht Charlottenburg im damaligen West-Berlin den Namen DJC im Vereinsregister, "weil" - so die offizielle Begründung - "tatsächlich nicht mehr bestehend". Die Mitglieder, ob aus dem DJC hervorgegangen, zum Teil im Westteil Berlins ansässig oder neu in die Sportgemeinschaft gekommen, betrieben nach diesen kurzlebigen Umbenennungen und Flaggenänderungen wieder das gewohnte Vereinsleben. "Chemie" machte sich einen Namen im Berliner Segelsport. Neben dem Regatta- und Fahrtensegeln waren wieder Arbeitsdienste zur Erhaltung und für den Umbau der Clubanlagen zu leisten. Volle Anerkennung verdienen die damaligen Trägerbetriebe, allen voran das Berliner Reifenwerk, die zur Werterhaltung einen erheblichen Teil beisteuerten. Dazu gehörte zwischen 1954 und 1956 die Reparatur von Steg und Uferbefestigung sowie der Bau des neuen Jollenschuppens.


Seit 1952 schrieb der Verein wieder Regatten aus, zunächst die bis heute regelmäßig ausgetragene Sonderegatta für O-Jollen und 15 m2- Jollenkreuzer. Erfolge stellten sich wieder ein - so errang Sportfreund Paul Zocke 1954 die Berliner Meisterschaft der 20 m2-Jollenkreuzer. Ebenso wuchs die Bedeutung des Fahrtensegelns als Wettkampfsport. Langtörns zur Schmölde, zum Scharmützelsee, zur Mecklenburgischen Seenplatte sowie zu den Haff- und Boddengewässern an der Ostsee gehörten dazu.
Diese Fernfahrten erforderten zahlreiche Behörden-Genehmigungen - etwa zum Befahren der Oder. In das Vereinsleben kam mit Sommerfest, Weihnachtsfeier, Kinderfest und Kantinenbetrieb allmählich neuer Schwung. Unter dem Titel "Retortensegel" erschien sogar ein Monatsblatt mit Vereinsnachrichten. Der Kinder- und Jugendsport rückte in den Mittelpunkt. Es fanden Trainingskurse in Theorie und Praxis statt, man organisierte Törns auf der Ostsee und schloß regelrechte Trainingsvereinbarungen mit Anfängern aller Altersgruppen. Zahlreiche ältere und erfahrene DJC-Mitglieder stellten sich als Übungsleiter und Betreuer zur Verfügung.
Mitten in der Saison 1961 erfuhr auch dieser Verein den Schmerz und den Schreck über die Trennung von einigen Sportfreunden durch den Bau der Mauer in Berlin. Mit großer Mühe und unter persönlichem Risiko Ost-Berliner Sportfreunde, aber letztlich auch mit offizieller Genehmigung gelang die Rückgabe von beweglichem Eigentum, vor allem von Booten, an West-Berliner Mitglieder. Über die Grenze hinweg hielten persönliche Kontakte.Danach verlief die Weiterentwicklung des Vereins relativ unpolitisch. Sport und technische Überholung der Clubanlagen rückten immer stärker ins Zentrum - dorthin über Jahre zielstrebig gesteuert von Sektionsleiter Willi Fischer, anschließend von Dr. Eitei F. Rißmann.
Als symbolische Geste gegenüber Traditionen dieses Segelvereins erhielt der Hafen einen neuen, höheren Flaggenmast. In "Chemie"-Regie organisierte man den Kinder- und Jugendsport neu. Der Club entsandte erstmals Teilnehmer zu Kinderregatten mit Optimistenjollen. Zuvor hatte Horst Hamann eine Trainingsgruppe für Kinder eingerichtet und geleitet, später übernahmen sie Rainer Brestrich und Peter Schreiber. Erste Optimistenjollen und Cadets kauften die Eltern beziehungsweise wurden auf Initiative von Sportfreund Leo Seide selbst gebaut. Erste sportliche Erfolge errang Brigitta Beck - sie gewann die Silbermedaille bei der Kinder- und Jugend-Spartakiade 1972 und siegte bei der Ostseewoche



 in den Jahren 1972 und 1975. Zur Betreuung des Sportbetriebes beschaffte man 1972 das inzwischen zur Legende gewordene Motorboot "Barrakuda". Hübsch war sie, und ihren Betreuern machte sie reichlich Arbeit - vor allem dann, wenn sie mit weithin gut sichtbarer Abgasfahne Aufsehen bei Fluss- und See-Anrainern erregte. Unabhängig davon bereitete die "Barrakuda" viel Spaß und Freude als Schlepp- und Begleitboot für regattainteressierte Frauen. Lange Jahre diente sie außerdem als Start- und Zielschiff der DJC-Wettfahrtleitung.


Dank der Finanzierung durch das Berliner Reifenwerk konnte Anfang der siebziger Jahre in Etappen eine komplette neue Ha-fenanlage mit Trockenständen aus Beton-Fertigteilen für Jollen gebaut werden. Nun begann die nach den zwanziger Jahren erfolgreichste Periode im Regattasport. Vereinsmitglieder starteten vor allem in den Klassen Pirat, O- und H-Jolle, auf 20 m2- und 15 m2-Jollenkreuzern, zwischendurch auch im FD und im Finn-Dinghi. Die H-Jollen-Klasse galt in der DDR lange Zeit als eine Domäne dieser Sportgemeinschaft. Das "Blaue Band vom Langen See", die traditionsreichste Regatta für diese Bootsklasse, gewannen die H-Jollensegler von "Chemie/Pneumant" zwischen 1969 und 1985 neunmal, die Deutsche Meisterschaft siebenmal. Allein viermal errang Lutz Rißmann mit Peter Rost diesen Titel. Zahlreiche Neubauten nach modernen Konstruktionen kamen in den Verein. Boote wie H 9, H 20, H 239, H 17 wurden zum Begriff, ebenso die sogenannte "Teufelsgeige" H 189. Als Beispiel für die erwähnte Entwicklung des Frauensportes gilt, dass 1962 die Frauencrew Sigrid Fischer/Doris Rißmann den ersten deutschen Meistertitel nach dem Krieg auf einem Piraten für den Verein errang. Schon 1954 hatte eine Sportfreundin in einem Beitrag der Clubzeitschrift „Retortensegel" notiert: "Es ist mir eine besondere Genugtuung, daß mein Mann, wenn ich an der Pinne sitze, auch die gegebenen Kommandos wiederholen und ausführen muß".


 

Bis 1990 errangen Mitglieder des Vereins bei Deutschen Meisterschaften in der DDR Sigrid Fischer und Doris Rißmann mit ihrer Piratenjolle 1386 bei der Deutschen Meisterschaft 1962

19 Goldmedaillen

10 Silbermedaillen

21 Bronzemedaillen und

28 Berliner Meistertitel.

Stellvertretend für die vielen sportlichen Erfolge stehen die Aufnahmen von DJC-Seglern mit ihren Booten auf den folgenden Bildseiten.

Anstrengung, Konkurrenz und Erfolg festigten die Kameradschaft. Zahlreiche Boote entstanden im Eigenbau; vieles musste von "drüben" beschafft werden. Auch das förderte den Zusammenhalt, ebenso die aus heutiger Sicht oft abenteuerlichen Bootstransporte auf Lastwagen zum Austragungsort von Wettfahrten. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wuchs auf langen Anmarschwegen, in Gemeinschaftsquartieren und bei traditionellen Empfängen der Meisterschaftsteilnehmer - im Hafen wie in der Kantine.
 

Regelmäßig beteiligte sich der Club an Mannschaftsmeisterschaften auf dem Müggelsee, manchmal sogar mit zwei Mannschaften. Zum Sieg reichte es zwar nie, doch dritte bis sechste Plätze bei dieser damals sehr populären Regatta zählten
schließlich auch. Betreuung und Verpflegung, Busfahrten der Aktiven zum Austragungsort, zahlreiche Zuschauer sowie nicht zuletzt unsere Damen auf den Motorbooten "Barrakuda" und "Siesta" förderten den Gemeinschaftsgeist. In Erinnerung sind außerdem die vielen Vergleichs- und Freundschafts-Wettkämpfe mit anderen Segelgemeinschaften wie der SG Grün-Weiß, BSG Motor Wildau, SG Schwielochsee und Spartak Brno - oft zustande gekommen durch persönliche Kontakte. Zurück blieben davon angenehme Erinnerungen und persönliche Freundschaften. Fahrtensegler wollten und sollten nicht zurückstehen. Zunächst hatte der Segel-Bezirk Berlin ab 1956 Fahrtenwettbewerbe ausgeschrieben, von 1957 an waren sie für die gesamte DDR offen. Von Anbeginn beteiligten sich Vereinssegler daran erfolgreich. Die Teilnehmerzahlen stiegen von zehn (1957) auf 93 im Jahre 1989 mit Besuchen auf nahezu allen DDR-Revieren. Zu den ersten und besten Fahrtenseglern zählten die Sportfreunde Herbert Vaupel und Dr. Fritz
Reimer mit ihren Ehefrauen, die schon Anfang der sechziger Jahre die Boddengewässer absegelten und mehrfach den Haff-Preis gewannen. Die Auswärtsbesuche per Boot in der relativ kleinen DDR waren nicht nur Ausdruck sportlichen Ehrgeizes - sie verbanden Wettkampf und außerordentlich hohen Erholungswert.


Im Bezirk Berlin zählten die Sportfreunde Vaupel, Reimer und Petigk regelmäßig zu den zehn Erstplazierten. Loni Petigk gewann 1970 sogar den dritten Platz in der DDR-Rangfolge. Sportfreund Gerhard Petigk, ehrgeizigster, ausdauerndster und konsequentester Fahrtensegler, legte innerhalb von 28 Jahren auf seinem 15 m2-Jollenkreu-zer "Moppel" nur unter Segeln 41 563 Kilometer zurück. Für ihre außerordentlichen Leistungen erhielten Herbert Vaupel, Dr. Fritz Reimer und Gerhard Petigk den Titel "Fahrtenkapitän des Bundes Deutscher Segler".


Ende der siebziger Jahre entwickelte sich auch in der DDR eine neue Art des Segelns, zunächst Windski genannt, später Brettsegeln oder Windsurfen. Bei "Chemie" fand sich schnell ein großer Interessentenkreis, besonders unterstützt vom damaligen Sektionsleiter Kurt Krupa und dem Sportfreund Gerhard Friemel.
1984 zählte "Chemie/Pneumant" 16 aktive Regattasurfer. Der Verein  schrieb für den Bezirk Berlin die ersten Wettkämpfe mit Segelbrettern aus; an den Start gingen jeweils 30 bis 40 Surfer. Regatten in der DDR und zu Wettfahrten in Polen, Ungarn und in der CSSR. Schnell stellten sich Erfolge ein, und Namen wie Rietz und Röhr wurden zum Begriff. Sie holten drei Deutsche und vier Berliner Meistertitel in den Club.
Nach Beendigung seiner Laufbahn als aktiver Regattasegler konzentrierte sich Sportfreund Kurt Krupa intensiv auf ehrenamtliche Tätigkeiten im Sport, zunächst im Verein, dann vor allem im Bund Deutscher Segler.


Jahrelang wirkte er im Bund Deutscher Segler als Vizepräsident und Schatzmeister. Tätig war er außerdem in der Berufungskommission, Prüfungskommission und als Schiedsrichter. Für seine Arbeit erhielt er hohe Auszeichnungen, so die Ehrenmitgliedschaft im Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) sowie im Präsidium des Bundes Deutscher Segler. Der Verein dankte ihm an seinem 80. Geburtstag 1987 für außerordentliche Leistungen mit der Auszeichnung als Ehrenmitglied.
Wie Kurt Krupa arbeiteten auch andere Mitglieder des Vereins in verschiedenen Sportgremien mit. Sportfreund Hans-Joachim Kämper war in den sechziger Jahren Vorsitzender der Schiedsrichterkommission beim Präsidium des BDS. Sportfreund Horst Lakomy engagierte sich ehrenamtlich länger als zehn Jahre als Vorsitzender der gesamten Betriebssportgemeinschaft Chemie Schmöckwitz und leistete während dieser Zeit viel für seine Sektion Segeln. Sportfreund Gerhard Petigk wirkte viele Jahre in der Berliner Kommission Fahrtensegeln mit. Manfred Lisken war als Berliner H-Jollen-Obmann aktiv. Sportfreund Dr. Jörg Lietzmann war in seiner Funktion als Klassenobmann der H-Jollen und der 15 m2-Jollen-kreuzer fast zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender der BDS-Kommission Regattasport und zugleich Mitglied in der Redaktionskommission des Fachblattes „Segelsport".

Der Ausgleichssport spielte weiterhin eine wichtige Rolle. Jedes Jahr gab es bei der Abnahme des Sportabzeichens neue "Höchstleistungen", dazu viel Spaß und -gelegentlich - Blessuren für einzelne Teilnehmer. Zu Waldlaufveranstaltungen entsandte der Verein jahrelang zahlreiche Sportfreunde zwischen sechs und 60 Jahren. Als absolute Höhepunkte des Ausgleichssports galten die Schwimmfeste der Berliner Segler. Viele Urkunden belegen es: Mit regelmäßigem Training und dank ehemaliger aktiver Schwimmsportler stieg "Chemie/Pneumant" zu den erfolgreichsten Vereinen auf. Mehrfach nahm die Gemeinschaft von diesen Schwimmfesten Auszeichnungen als erfolgreichste Sektion insgesamt sowie als beste Sektion im Kinder- und Jugendsport mit nach Schmöckwitz. Bei "Chemie/Pneumant" kam bei so viel Sport das gesellschaftliche Leben nie zu kurz. Die alljährlich als Kostümfest mit Programmteil unter der Leitung von Sportfreund Dieter Leukert arrangierten Sommerfeste und das Bockbierfest für die Berliner Seglerjugend sind über den Einzugsbereich Seddinsee hinaus bekannt geworden. In den achtziger Jahren kehrte man zur Tradition zurück, am Jahresende langjährige und erfolgreiche Mitglieder in einer Festveranstaltung zu ehren. Der Damenchor, fast schon Kern-, besser Herzstück jeder Feier, tritt mittlerweile heute schon in dritter Generation auf.

Sommerfeste


Kinderfeste

1985 wechselten neuerlich Name und Vereinsflagge. Als Folge der sogenannten Kombinatsbildung in der DDR hieß der Club fortan "BSG Pneumant Schmöckwitz, Sektion Segeln". Das änderte jedoch nichts am Sportbetrieb, auch blieb das Berliner Reifenwerk Trägerbetrieb. Zuschüsse waren von dort immer schwieriger zu erlangen - vor allem gegen die übermächtige Konkurrenz durch die ebenfalls der BSG Pneumant angegliederte Fußballsektion.

Das förderte Eigeninitiative und Improvisationsvermögen der Segelsektionsleitung und aller Sportfreunde im Verein. Die jährliche Leistung betrug durchschnittlich 3.000 Arbeitsstunden.
1983 wurde Sportfreund Dr. Jörg Lietzmann an die Spitze einer neuen Sektionsleitung gewählt, die die Mitglieder mit neuen Organisationsformen im Sport-, Kultur- und Technikbereich überraschte und forderte. Dank der Mitarbeit nahezu aller Mitglieder und unter der Regie des Technischen Leiters Wolfgang Tauch sowie durch großen persönlichen Einsatz des Sportfreundes Rainer Wellmitz erhielt das Vereinsgelände ein neues Gesicht. Die Terrasse wurde befestigt, der Clubhaussaal samt Veranda sowie die Kantine als Zentrum des Vereinslebens "zu einem Schmuckkästchen" („Segelsport") umgebaut. In dieser Leistung steckten zwischen 1984 und 1986 etwa 11.000 Arbeitsstunden sowie Materiallieferungen des Berliner Reifenwerks im Wert von 80 000 Mark. Auch Sektionsleitung und Mitglieder besorgten auf teilweise abenteuerlichen Wegen benötigte Teile. Man erneuerte die sanitären Anlagen und die Uferbefestigung, tauschte im Hafen Pfähle aus und baute für die inzwischen beträchtlich gewachsene Kinder- und Jugendboot-Flotte eine weitere Schräge als Trockenstand. Entsprechend dem Trend der DDR-Sportförderung erfreute sich der Kinder- und Jugendsport besonderer Aufmerksamkeit und praktischer Unterstützung. Unter der engagierten Leitung der Sportfreunde Rita Jankowski und Ralf Killian - und mit Hilfe ihres Motorbootes "Siesta" - erreichte die Nachwuchsförderung zwischen 1983 und 1989 ihren bisherigen Höhepunkt. 35 Kinder und Jugendliche segelten in Optimisten, Cadets und 420er-Jollen, beteiligten sich an Wettfahrten und absolvierten regelmäßig Trainingswochen im Frühjahr sowie Wintersportlager in Thüringen. Die für den Nachwuchs benötigten Boote kauften weiterhin die Eltern, zum Teil auch das Berliner Reifenwerk oder der Verein.
Viele Nachwuchssegler aus dieser Gruppe schickte der Verein zur besonderen Förderung in das Trainingszentrum Grünau und in den Sportclub Berlin-Grünau. Das bewährte sich. So gewann Frank Lietzmann unter anderem den BDS-Pokal im Optimisten und

die DDR-Spartakiade im 470er; sein Bruder Jan siegte bei der Internationalen Ostseewoche im Mini-OK und errang den zweiten Platz im 420er bei der DDR-Spartakiade. Anja Wellmitz gewann im Optimisten bei der Internationalen Ostseewoche und den dritten Rang bei den Deutschen Meisterschaften der Optimisten. Undine Hopsch errang im Mini-OK die Bronzemedaille bei der DDR-Spartakiade. So begannen jeweils ihre bis heute andauernden Regatta-Erfolge. Selbstverständlich schrieb "Pneumant" auch eine Kinder- und Jugendwettfahrt für Cadets und Optimisten-Jollen aus, die "Kehraus-Regatta". Bis heute gilt sie - mit mehr als hundert Booten am Start - als die traditionelle Herbstregatta für Kinder. Rechtzeitig zum 90. Stiftungsfest 1987 waren die meisten Arbeiten beendet. Man feierte unter dem etwas verschleiernden Motto "90 Jahre Segeln in Schmöckwitz". Dahinter verbarg sich zu DDR-Zeiten der Versuch, die Tradition dieses Clubs wieder aufleben zu lassen. Aus Anlass des Jubiläums schrieb der Verein eine Langstrecken-Regatta mit zahlreichen Sonderpreisen aus. Außerdem gab er eine bescheidene Chronik unter Berücksichtigung der damals herrschenden sportpolitischen Verhältnisse heraus und stellte Fotos sowie Dokumente aus. Am 25. September 1987 fand als Höhepunkt des DJC-Jubiläums eine Festversammlung statt. Sportfreund Prof. Dr. Herbert Graf hielt einen Vortrag über die Historie des Segelsports und 90 Jahre Clubgeschichte. Als Jubiläumsgäste erschienen offizielle Vertreter des Bundes Deutscher Segler, des Trägerbetriebes Berliner Reifenwerk und Abgesandte befreundeter Vereine.


Die Jahre 1989 - 1997

Der plötzliche Fall der Mauer im Herbst 1989 und die anschließende politische Wende überraschten auch die Mitglieder des Clubs. Niemand konnte sich in jenen Tagen an der Seddinpromenade vorstellen, dass schon 1990 wieder unter der Flagge des DJC gesegelt werden sollte. Sehr schnell fiel dann die Entscheidung in der Mitgliederversammlung, den DJC wieder aufleben zu lassen - zumal sich die BSG Pneumant bald auflöste. Am 30. April 1990 gründete sich der Dahme Jacht Club auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung neu und gab sich ein neues Statut. Die Eintragung des DJC ins Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Mitte folgte am 22. Juni 1991 gleichzeitig mit der Aufnahme in den Deutschen Segler Verband und in den Berliner Segler Verband unter der Nummer BO99.
Doch die Bürokratie sorgte in dieser Zeit für Überraschungen und Ärger. Plötzlich galt die Eintragung im Vereinsregister Berlin-Mitte nicht mehr. Ein neuer Antrag auf Wiederaufleben des DJC gegründet 1897 musste beim Amtsgericht Charlottenburg gestellt werden -gestützt auf Aussagen der ältesten DJC-Mitglieder Hans Rodenkirchen (Mitglied seit 1933) und Horst Wolf (Mitglied seit 1944).

Die Eintragung des Dahme Jacht Clubs vollzog das Gericht schließlich am 2. Juni 1992 unter der Registriernummer 12276 V 2. Zum vierten Male in seiner heute hundertjährigen Geschichte war damit der Club in ein Vereinsregister eingetragen worden - ohne praktisch jemals seine Existenz aufgegeben zu haben. Unbeschadet von diesen Wirren hissten Vereinsmitglieder am 30. Juni 1990 am Flaggenmast im Hafen feierlich den neuen Clubstander.
Fast genau zwei Jahre später erhielt der Dahme Jacht Club am 22. Mai 1992 auf seinen Antrag hin vom Landesamt für offene Vermögensfragen Gebäude und Sportanlagen zurück. Auf der Grundlage dieser Dokumente schloss der Verein am 15. Dezember 1992 mit dem inzwischen zur GmbH umgewandelten Berliner Reifenwerk einen Vertrag, der sämtliche Verbindlichkeiten ausglich und bestehende Restbuchwerte dem DJC kostenlos übertrug. Danach folgten viel kompliziertere und schwierigere Verhandlungen mit dem Landesforstamt über den Abschluss eines neuen Pachtvertrages. Schließlich einigte man sich, beide Seiten unterschrieben am 1. März 1995. Damit erhielt der Dahme Jacht Club im 98. Jahr nach seiner Gründung endgültig seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit mit allen Rechten und Pflichten zurück. Mit diesen knappen Sätzen sind jedoch Mühen, Anstrengungen und immenser Zeitaufwand des damaligen Vorstandes mit den Sportfreunden Bernhard Hopsch, Prof. Dr. Horst Neumann und Lutz Rißmann nur andeutungsweise beschrieben. Soviel über den Behördenweg zum Wiederaufleben des DJC. Der Verein war jetzt völlig auf sich selbst gestellt. Es kam nunmehr auf Eigeninitiative in sportlicher wie materieller Hinsicht an, um den DJC neu mit Leben zu erfüllen. Das war komplizierter als erwartet, denn die Mitglieder hatten nach der Wende zunächst viele persönliche Dinge neu zu ordnen. Aber es wurde gesegelt. DJC-Regatta- und Fahrtensegler kreuzten auf allen Gewässern Deutschlands zwischen Kieler Förde und Bodensee, Scharmützelsee und Zwischenahner Meer. Der Vereinsstander wehte auf Nord- und Ostsee, Clubmitglieder segelten auf dem Mittelmeer und in der Karibik. Sie segelten mit eigenen Schiffen, Booten von Freunden oder auf Charterbooten. Als erste Yacht des DJC steuerte 1991 die "Credo II" der Sportfreunde Ursula und Dr. Manfred Geister Häfen in Schweden, Dänemark und Polen an und zeigte dort Flagge.
Regatta-Trophäen holten junge Sportfreunde von Revieren in aller Welt. Als bisheriger Höhepunkt für den DJC gilt der Gewinn der Europameisterschaft in der Piraten-Klasse 1991 auf dem Attersee in Österreich durch Jens Schreiber und seinen Steuermann Ralph Jambor (TSG 1898). Außerdem gewannen sie 1992 die Deutsche Meisterschaft und 1994 die Internationale Dänische Meisterschaft. Jan Lietzmann qualifizierte sich mehrfach mit seinem Steuermann Stefan Meister (YC Berlin-Grünau) für die Welt- und Europameisterschaften in der olympischen 470er-Klasse. 1996 errangen sie vor England den zehnten Platz bei der Europameisterschaft und die Internationale Deutsche Internationale Deutsche Meisterschaft der 20 m2 Jollenkreuzer
Meisterschaft auf dem Wannsee. Anja Wellmitz segelte im Indischen Ozean vor Australien auf den 19. Rang bei der Frauen-Weltmeisterschaft im 420er; sie nahm an zahlreichen Regatten von internationalem Rang im 420er sowie 470er teil. Ulrike Schumann qualifizierte sich für die Frauen-Weltmeisterschaft im Europe vor Neuseeland und wurde 43. Undine Hopsch ersegelte 1992 bei den Europameisterschaft der Juniorinnen im 420er vor La Rochelle den vierten Platz, dem bei der Deutschen Meisterschaft die Silbermedaille folgte. Aber auch in den traditionellen Bootsklassen
gelangten DJC-Segler zu neuen Erfolgen. Neben seinen traditionellen Regatten richtete der Dahme Jacht Club die erste gesamtdeutsche Internationale Deutsche Meisterschaft 1991 auf einem Revier in den neuen Bundesländern aus - für 20 m2-Jollenkreuzer auf dem Müggelsee. 29 Boote von elf Revieren und drei Gäste aus Österreich gingen an den Start, eine gelungene Werbung für den Segelsport im Ostteil Deutschlands und für den DJC.
Eine fast beängstigende Pause trat im Kinder- und Jugendsport ein. Mit Blick auf die DJC-Zukunft ging sie zum Glück 1994 zu Ende, als die Sportfreunde Birgit und Olaf Schreiber diesen wichtigen Bereich des Vereinslebens übernahmen. Mit großem Elan und in engem Kontakt mit den Eltern bauten beide eine neue, schlagkräftige Gruppe mit acht Kindern verschiedener Altersklassen auf.

In der Obhut dieser Sportfreunde erlernt der Nachwuchs auf dem Wasser, an Land und außerhalb der Saison den Umgang in der Gemeinschaft. Diese Jugendarbeit unterstützte der Berliner Senat 1994/1995 mit Zuschüssen zur Finanzierung von sechs Optimistenjollen und je einer 470er- und Europe-Jolle. Der Zeuthener Seglerverein überließ dem DJC zwei 420er-Jollen.

Die Sportfreunde investierten seit 1990 viel Geld in neues und modernes Bootsmaterial. Vor der Erneuerung und Modernisierung des Clubhauses sowie der Stege gab es Unsicherheit bei der Finanzierung. Inzwischen wurden die Stege gesichert, die Krananlage modernisiert und die Theke in der Clubmesse neu gestaltet. Neue sanitäreAnlagen erhielten - wie selbstverständlich im DJC - zunächst die Damen. Nach Bewilligung umfangreicher Kredite aus der Sportförderung des Landes Berlin ist 1996 mit der Generalüberholung und Rekonstruktion weiterer Clubeinrichtungen begonnen worden. Im letzten Herbst erhielt der Hafen neue Pfähle. In diesem Frühjahr wurde die Erneuerung sanitärer Einrichtungen für Herren abgeschlossen.


 

Sportliche Aktivitäten, ehrenamtliche Tätigkeit, Engagement und Zielstrebigkeit haben den Verein über ein Jahrhundert erfolgreich vorangebracht. Die von jüngeren DJC-Mit-gliedern während der letzten Jahre errungenen Segelerfolge und die unter dem Vorsitz von Lutz Rißmann eingeleitete Verjüngung des Vorstandes lassen die Mitglieder des Vereins optimistisch in die Zukunft blicken. Freuen wir uns auf das bevorstehende Jubiläumsfest zum 100. Geburtstag des Dahme Jacht Clubs und auf das beginnende zweite Jahrhundert unter dem DJC-Stander.
Code Wind , ahoi !


Nachwort zur Chronik

Die Autoren hatten das Ziel, die hundertjährige Geschichte des Dahme Jacht Clubs in Wort und Bild nachzuzeichnen. Da sie leider nicht auf ein vorhandenes Archiv zurückgreifen konnten, musste zunächst Material aus verschiedenen Quellen gesammelt werden. Anhand einer Chronik aus dem Jahr 1927, aus Protokollen, Dokumenten, Schriftverkehr, persönlichen Aufzeichnungen, in Gesprächen und durch Nachforschungen in verschiedenen Fachzeitschriften des Segelsports gelang des, den Leitfaden für das Manuskript zu finden.
Wir danken allen Sportfreunden, die uns Dokumente und Bildmaterial zur Verfügung gestellt, Literaturarbeiten übernommen und sich Zeit für Gespräche mit uns genommen haben.
Diese Chronik ist sicherlich nicht vollständig, denn auf einiges musste schon aus Platzgründen verzichtet werden. Vielleicht haben sich auch kleine Fehler oder Unkorrektheiten eingeschlichen, und nicht alle Verdienste um den Verein sind ausreichend gewürdigt worden. Besonders schwierig war die Auswahl der richtigen Bilder. Dafür bitten die Autoren um Nachsicht. Für Korrekturen und Ergänzungen sind wir schon jetzt den Sportfreunden dankbar, die diese Chronik fortsetzen wollen.
Besonders gilt unser Dank den Sportfreunden Lutz Rißmann für seine intensive Mitwirkung, Peter Jakob für die Textbearbeitung, Gunter Schröder für die Gestaltung sowie Frau Marion Neumann für die Herstellung der Druckversion. Nicht zuletzt danken wir Helga Tauch, Gerhard Brummer und Prof. Dr. Horst Neumann für das Gegenlesen. Allen Lesern dieser Chronik wünschen wir viel Spaß und einen positiven Eindruck vom Dahme Jacht Club.
Dr. Jörg Lietzmann und Dieter Leukert
Januar 1997

 

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